Dienstag, 15. September 2009

WC2009 - der letzte Tag

Lustige Chair-Geschichten
Nachdem ich gestern schon ein wenig über die verschiedenen Arten der Chairs berichtet habe, ihre Session zu führen, habe ich heute gleich noch zwei nette Beispiele zu berichten. In Anbetracht der Tatsache, dass es Samstag ist, 8:15 Uhr morgens und auch noch der letzte Tag der Konferenz mit einem Get-Together am Abend zu vor, ist die erste Session entsprechend leer. Das veranlasst den Chair, alle anwesenden Personen im Auditorium aufstehen und sich vorstellen zu lassen. Seine Erklärung dazu: Es wäre doch nett, wenn die Vortragenden auch wissen, wer sich die Vorträge so anhört. An sich finde ich das eine gute Idee, allerdings hätte er das vielleicht nicht erst am Ende vor dem letzten Vortrag machen sollen. Und davon abgesehen, verstanden habe ich vielleicht nur die Hälfte der anwesenden Personen.
Ganz beliebt scheint auch zu sein, zu seiner Session als Chair einfach mal gar nicht zu erscheinen, sondern seinen Co-Chair damit allein zu lassen. So ist es auch in der zweiten Session zu Robotik im OP geschehen. Finde ich persönlich nicht immer sinnvoll, da die Co-Chairs meistens selber auch einen Vortrag halten und in diesem Fall dann keiner auf die Zeit achtet. Bei dieser Session ging es aber. Nur der Co-Chair war verwirrt, da der leider auch nicht wusste, ob sein Chair noch kommt oder nicht.

Die Session an sich ist jedoch sehr interessant. Merkwürdig wird es aber, als der Mann neben mir mitten im Vortrag anfängt, ganz hektisch in seiner Tasche zu kramen, einen Fotoapparat herauszuholen und schnell noch die Folie mit einer Parallelkinematik zu fotografieren. Er tuschelt aufgeregt mit seinem Nebenmann, beide grinsen. Er fotografiert noch zwei, drei Folien. Als die Fragerunde eröffnet wird grinst er und hebt ganz ruhig die Hand. Nach der ersten Frage wird mir klar, warum er die Folie fotografiert hat, denn seine Worte sind "I am deeply honored, that Mr. piep copied an idea of our company from 2004". Der Vortragende wird recht ruhig. Ich weiß nicht mehr genau wo er her kam, ich glaube piep, auf jeden Fall steht das piep mit Herrn piep unten auf seinem Foliensatz. Er antwortet relativ ausweichend, dass er einen recht allgemeingültigen Ansatz einer Kinematik vorgestellt hat, aber ich finde, dass der Ansatz schon recht speziell aussieht. Der Mann neben mir erwidert, dass der Ansatz zu seiner Zeit publiziert wurde und von daher auch der Öffentlichkeit bekannt sein müsste. Als der Vortragende nicht antwortet, winkt er ab. Es folgen zwei oder drei harmlose Fragen vom Chair, bevor sich der Mann neben mir noch ein Mal zu Wort meldet mit der Frage, ob ihm zwei Systeme, dessen Namen ich vergessen habe, geläufig wären, die ebenfalls diese Kinematik nachgebaut haben. Er fragt weiter, worin genau der Unterschied bzw. die Verbesserung des vorgestellten Systems sei. Der Vortragende antwortet ausschweifend mit der Beschreibung von diversen Verbesserungen. Die knappe Reaktion des Mannes neben mir ist nur, ja, diese Vorzüge hätten die anderen beiden Systeme auch, aber wenn ihm die nichts sagen, bräuchte man da nun nicht weiter drüber sprechen. Der Vortragende wird entlassen und der nächste Sprecher geht nach vorne. Puh, denke ich mir. Wenn der Vortragende wirklich nicht wusste, was er da vorstellt, dann ist das die absolute Horror-Vorstellung. Man stellt was vor, denkt man kennt den Stand der Technik und dann kommt so eine Reaktion. Super unangenehm, und etwas vor dem ich immer Angst hatte. Sollte der Vortragende das jedoch gewusst habe, dann denke ich mir, hat es ihn zurecht getroffen. Man könnte dann schon erwähnen, woher die Grundidee kommt.

Ursprünglich war mein Vortrag für den Samstag-nachmittag geplant gewesen, so dass ich eine Abfahrtzeit zu 17 Uhr habe. Leider wurde nach dem Kauf meines Bahntickets das Programm des Kongresses noch ein Mal umgestellt, so dass nun nach der Mittagspause am Nachmittag nur noch zwei Keynotes gehalten werden, die nicht interessant für mich sind. Ich verlasse daher nach den beiden letzten Sessions während der Mittagspause die Konferenz und fahre in die Stadt zurück. Ich beschließe, den Nachmittag zu nutzen, um mir die Innenstadt anzusehen. Während der U-Bahnfahrt bin ich mal wieder fasziniert von den Spiegeln an den Bahnsteigkanten. Sie erlauben dem Führer einen Blick zurück entlang des Zuges.

In der Stadt laufe ich vom Stachus bis zum südlichen Zipfel des englischen Gartens. Ich bin erstaunt, wie viele Leute und vor allem wie viele Touristen in der Stadt unterwegs sind. Die Stadt ist voll! Ich gehe am Oberpollinger vorbei (traue mich aber nicht bei Louis Vuitton, Prader, Longchamp, Bottega Veneta, Burberry, Dior, Fendi, Gucci, Miu Miu und Tod's rein), bleibe beim Rathaus stehen und gehe auch mal in den Hof, habe einen Blick auf die Peterskirche geworfen, und biege dann nach links ab in die nördliche Innenstadt. Da gehe ich an Dallmayr vorbei, entscheide mich um und gehe mal hinein. Es riecht super! Und es ist lustig: Die Frauen stehen wirklich an großen Porzellan-behältern und füllen dort Kaffee mit einer kleinen Waage ab. Anschließend gehe ich über den Max-Joseph Platz mit dem Nationaltheater bis zur Feldherrnhalle und dem Hofgarten, der an den südlichen Teil des englischen Gartens angeschlossen ist. Hier ist es angenehm still im Gegensatz zum Gemurmel der Stadt. In der Mitte im Dianatempel spielt ein Mann mit der Geige Ave Maria. Ich setze mich und genieße den ruhigen Moment. Dann mache ich mich auf den Rückweg an der Residenz vorbei, wo verschiedene Schilde stehen mit Hundefratzen, dessen Nasen blank gegriffen sind - soll wohl Glück bringen. Ich suche und be-suche die Frauenkirche, in der ein Holzabbild von Papst Benedikt hängt. Hier kaufe ich auch ein paar Postkarten für die Familie. Am Stachus kaufe ich ein Buch und gehe dann zum Hotel, um mein Gepäck abzuholen und mich auf den Heimweg zu machen. Um 23:23 komme ich nach einem langen Tag wieder in OL an. Ich bin noch wach, denn ich hatte mich in München gut mit einem Kaffee von Starbugs gedoped.

Samstag, 12. September 2009

11.09.09 WC2009 - der vierte Tag

Nach einem recht erheiternden, wenn auch zum Teil auch sehr ernsten Vortrag zum Sinn und Unsinn von Telemedizin aus der Sicht eines Mediziners, sitze ich anschließend in der Session zu "Writing and Rewriting of scientific publications". Vorher jedoch liegt eine kurze medizinischen Keynote Session, die aufgrund von einer sehr geringen Teilnehmerzahl vom Chair mit den Worten: "What I have learned from my previous professor was: Never mix quality and quantity! So, I want to acknowledge the high quality of people here" begrüßt wird.

Nach dem Mittag lausche ich den beiden Plenar-vorträgen, bevor anschließend die Session beginnt, in der ich meinen Vortrag halten darf. Die Vorträge sind interessant, aber fast noch interessante sind die kommenden und gehenden Personen zu betrachten. Die Stufen in dem großen Vortragssaal sind recht weit und ausladend, bis auf die letzten drei. Diese Stufen sind im Vergleich zu den anderen Stufen sehr schmal. Die meisten Personen kommen die Stufen runter und schauen in den Saal, um festzustellen, wo sie sich hinsetzen wollen. Daher achten sie nicht auf die Stufen und merken nicht, dass die Stufentiefe sich ändert. Fast alle stolpern auf den letzten drei Stufen. Ich fühle mich an die "Muppets feiern Weihnachten" erinnert, wo die Schwelle vereist ist, und jeder, der neu hereinkommt, ausrutscht und stürzt. Das Szenario wäre beinahe zum Lachen gewesen, wäre nicht letztendlich doch eine Person gestürzt und hat sich zumindest kurzfristig böse den Knöchel verstaucht.

Die Session mit meinem Vortrag verläuft ruhig, ich habe nette Chairs und keine bösen Fragen nach dem Vortrag, auch wenn ich selber mit mir (wie immer) nicht zufrieden bin. Anschließend unterhalte ich mich kurz mit dem Chair, der vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Als sein Chef dazu kommt, werde ich überrascht. Ich werde vorgestellt und stelle mich darauf ein, dass mein Arbeitgeber OFFIS erstmal nicht bekannt ist. Weit gefehlt. "Ach, wie schön", sagt der Chef, "dann grüße doch mal den Marco von mir, wir sehen uns ja in zwei Wochen wegen dem DICOM Treffen". Öhm, ja. Klar. Das mache ich doch. Muss mir nur noch schnell den Namen merken.

Anschließend ist die letzte Session des Tages und ich wundere mich mal wieder über den Chair. Es gibt so unterschiedliche Menschen und daher auch so unterschiedliche Chairs. Am Dienstag hat ein Chair strickt auf die Zeit geachtet und jeden Fragesteller angefahren, wenn dieser sich nicht zunächst mit Name und Institut vorgestellt hat. In diesem Fall beginnt die Session pünktlich mit einem eingeladenen Vortrag. Anschließend sind wir 15 Minuten nach der Zeit. Ich denke, der Chair wird nun höchstens eine Frage zulassen. Doch nein, er lässt nich nur mehrere Fragen zu, sondern beginnt auch selber noch mit einer absoluten Ruhe eine kurze Diskussion. Der zweite Sprecher beginnt bereits mit einer halben Student Verspätung. Anschließend erfolgen Fragen und gaaaaanz ruhige Diskussion angeregt durch den Chair. Nach dem dritten Vortrag sind wir eine dreiviertel Stunde hinter der Zeit. Ich blicke auf die Uhr. Nach der Session sollte eine halbe Stunde Pause sein und dann die Innovation at Night Veranstaltung beginnen, in der verschiedene Awards verliehen werden. Das werden die letzten Sprecher wohl nicht schaffen. Ich bin ganz froh, dass meine Session anders abgelaufen ist, und verlasse passend zur Preisverleihung den Raum. Schade um die Vorträge, gerade den letzten hätte ich gerne gehört.

Ich bin aber anschließend ganz froh, die Preisverleihung gesehen zu haben, denn ich treffen nicht nur einen meiner früheren Studenten sondern werde auch Zeuge, wie einer der Medical Physics Studenten von der Uni Oldenburg einen Award gewinnt. Die ganze Veranstaltung wird von Musik eingerahmt und von einer Moderatorin geführt. Doch der hört keiner mehr zu, sobald sie die Worte "draußen ist das Essen aufgebaut" gesagt hat. Da ich nah dem Rand sitze, werde ich mit der Masse aus dem Saal geschwemmt, obwohl ich es an sich nicht höflich finde, zu gehen, während die Moderatorin drinnen noch einen schönen Abend wünscht. Aber wenn es ums Essen geht, verhalten sich auch erwachsene Menschen irgendwie wie eine Horde hungriger Affen, und es wird mit Ellenbogen dafür gesorgt, dass man auch ja ganz vorne am Buffet steht. Doch wir werden enttäuscht, es gibt nur Rohkost-stäbchen mit einem Hauch von Frischkäse (laut Schild: Rohkoststifte mit gekräutertem Hüttenkäse), wunderschön angerichtet in kleinen, hohen Gläschen, in denen man nach ein Mal abbeißen den Frischkäse nicht mehr erreicht. Neben der Rohkost gibt es Tartart vom Caipirinhalachs (mit Dill) und Mousse vom Bachsaibling auf Orangen Cous Cous. Auf einem anderen Tisch gibt es Süßspeisen mit Namen, die ich mir nicht merken konnte - habe aber ja Fotos gemacht und kann nun spieken: Mousse von Cappuccino und Zimt, Baumkuchenspitzen mit weißer Schokolade und noch etwas, wo ich das Schild nicht gefunden habe, aber Himbeeren und Schokolade drin vorkamen. Ich esse ein bisschen Lachs-Mus und zwei Baumspitzen mit weißer Schokolade und mache mich dann auf den Heimweg.

Donnerstag, 10. September 2009

"I am very disappointed of your university and your professor" oder 10.09.09 WC2009 - der dritte Tag

Nachdem der Vormittag des dritten Tages der Konferenz relativ unspektakulär verlaufen ist, sitze ich am Nachmittag in einer Session über Telemedizin und höre einen Vortrag über "Authentication of persons using acceleration sensors in a telemedicine setting". Nach dem Vortrag meldet sich ein Herr mit weißen Haaren zu Wort, der in der ersten Reihe sitzt und dem wohl der Vortrag nicht unbedingt gefallen hat. Das Missfallen hat er dann recht klar mit den Worten "This is a fun type of application and your motivation is so far from any real application. I am very disappointed of ... not from you but from your university and your professor" zum Ausdruck gebracht ... und das vor allen Hörern. Der Sprecher des Vortrages hat anschließend Rückendeckung sowohl vom Chair als auch aus dem Auditorium bekommen, auch wenn der Chair nach der Session noch einen Moment Diskussion mit dem Sprecher hatte. Er war an sich auch nicht besonders angetan gewesen vom Vortrag, hat dies aber auf eine deutlich konstruktivere Weise rüber gebracht. Der nächste Vortrag war nach dem Schreck recht unterhaltsam. Es wurde ein Modell zur "intra body communication" vorgestellt, welches an einer gekochten Wurst simuliert wurde, die einen Ersatz für den menschlichen Arm darstellen sollte. Auf die Frage, ob rohes Fleisch nicht irgendwie anders auf elektrische Impulse reagiert als gekochtes Fleisch, antwortete der Sprecher, dass er das wohl wisse, aber dass sie ein Problem damit hatten, dass das frische Fleisch immer so schnell schlecht geworden sei. Und da ich meinen Vortrag erst morgen habe und ich heute daher noch lästern darf hier noch eine kurze Bemerkung über den nächsten Vortragenden, der den Sinn des Laserpointer darin sah, so dicht an die Wand zu treten, dass er mit der Spitze des Pointers seine Graphiken erklärt hat, anstatt den Pointer anzuschalten und am Rednerpult stehen zu bleiben.

Gegen halb sieben mache ich mich wieder in Richtung Hotel auf. Ich gehe an Beate Uhse, live Casinos, live Thai Shows, einem Geldwechsler und anderen Geschäften vorbei. Leider ist es noch nicht dunkel genug, um die ganzen Neonröhren zu sehen. Kurz vor mir erreicht eine junge Frau das Hotel, lässt einen Mann draußen stehen und betritt vor mir die Rezeption. Sie fragt mit osteuropäischem Akzent nach einem Zimmer, hat aber keinerlei Gepäck dabei ... außer dem Mann vor der Tür. Ich überlege kurz, ob ich darüber nachdenken will, wer noch so alles in den Zimmern um mich herum abgestiegen ist, entschließe mich aber, das sein zu lassen, da ich bisher nicht gehört oder gesehen habe, was mich stören könnte. Die Frau an der Rezeption entschuldigt sich höflich bei der jungen Frau, aber heute sind keine Zimmer mehr frei. Wahrheit oder Lüge? Man weiß es nicht ...

09.09.09 WC2009 - der zweite Tag

Morgens mache ich direkt ein paar Bilder in den Hotelhof. An sich könnte der Hof wirklich schön sein, doch die Container zerstören ein wenig das Ambiente des Stucks und der Figuren. So wie es aussieht, wird das deutsche Theater umgebaut.

Der zweite Konferenztag war nicht ganz so lange wie der erste. Auch er begann mit der Session um kurz nach acht, was für mich wirklich nur mit Hetzen erreichbar war, da im Hotel das Frühstück erst ab sieben bereitgestellt wird und ich noch gut 25 Minuten bis zum Messezentrum fahren muss. Glücklicherweise waren auch die Vortragenden nicht allzu pünktlich, so dass ich doch noch vor Vortragsbeginn im passenden Raum sitze.

Während der Session erhalte ich eine SMS von Uwe, der mir mitteilt, dass er auch anwesend ist. Das hatte ich bereits gesehen, als ich die Teilnehmerliste durchgesehen habe. Schön, denke ich mir. Den werde ich sicher in der Massen der Leute einfach finden ... oder auch nicht. Ich entschließe mich daher, ihn nach der Session doch besser anzurufen. Nachdem ich mir einen Tee erobern konnte, der aber auch wirklich nicht eine Sekunde vor 10 Uhr ausgeschenkt wurde, treffe ich mich mit Uwe, der in der folgenden Session einen Vortrag hatte, und genau für diesen Zeitslot auch nach München gekommen war. Der Rest des Kongresstages verläuft unspannend. Die Postersession am Nachmittag schenke ich mir, und ich beschließe mir zunächst die Bavaria anzusehen und dann noch mal die Nase in meinen eigenen Vortrag zu stecken.

Wo ich schon mal bei Tageslicht im Hotel bin, mache ich auch gleich noch ein paar Bilder vom Hoteleingang. Ich gehe, entgegen dem Rat von Uwe, zu Fuß zur Theresienwiese, wo die Bavaria stehen soll, und werde enttäuscht. Ich weiß zwar nicht genau, wann das Oktoberfest anfängt, aber sie beginnen eindeutig bereits Anfang September mit dem Aufbau, so dass die gesamte Wiese als Baustelle deklariert, abgesperrt und eingezäunt ist. Ich drehe also dann nur so eine Runde und gehe wieder Richtung Hotel, bevor die Sonne untergeht und die Straßen um das Hotel zum Leben erwachen.

Mittwoch, 9. September 2009

08.09.09 WC2009 - der erste Tag

Während mein Outlook heute zum 6. Mal die 1249 angesammelten SPAM eMails abholt, lasse ich den Tag Revue passieren.

Heute war der erste Konferenztag, der 8:15 auf dem Messegelände in München begann und um kurz nach 21 Uhr im Networking endete. Ich war sehr gespannt auf den World Congress, der allein durch seine Größe und die Tagungsgebühren große Erwartungen geweckt hat. Das Messegelände ist zunächst auch beeindruckend, die Sonne scheint und vor dem Gelände ist eine nette Grünanlage, so dass der Tag fernab vom Zentrum Münchens recht friedlich beginnt. Die Hallen sind riesig und der Floorplan hängt nicht ohne Grund direkt im Eingangs-bereich. Ich mache erstmal ein paar Fotos von den Unmengen an Posterwänden, die im Erdgeschoss und ersten Stock aufgebaut sind.

Die erste Enttäuschung halten die Konferenzunterlagen für mich bereit. Die im Internet hervorgehobene, in den Tagungsgebühren eingeschlossene "Satchel" ist eine wabbelige Stofftasche, die sicher voll biologisch Abbaubar ist. Enthalten ist das Programm, eine Menge Werbung und die Konferenz DVD mit allen Papern - kein Block, nicht mal ein Kugelschreiber. Nun gut, ich bin ja auch auf eine Konferenz gefahren und nicht auf eine Butterfahrt. Ich hätte nur für 550 Euro Tagungsgebühren mehr erwartet. Und man bemerke, das ist der Early-Bird Preis für Autoren! Nach den ersten Sessions gibt es eine Kaffeepause, in der an einem Standort (zumindest habe ich keinen zweiten Standort entdeckt) für im Schnitt 1.000 anwesende Personen (angemeldet waren über 3.400 Teilnehmer) Wasser, Kaffe und Tee ausgeschenkt wird. Es wird pünktlich auf die Minute mit dem Ausschank begonnen - keine Sekunde eher. Und es wird pünktlich damit aufgehört. Hm, auch das hinterlässt ein komisches Gefühl, habe ich doch Konferenzen mit weniger Tagungsgebühren in der Erinnerung, wo Kaffee, Tee und Wasser frei auf einem Tisch steht und man sich was nehmen kann, und wenn es gut kommt, liegt auch noch ein Keks dabei. Ich bin gespannt auf die Mittagspause, in der ich (leider) nicht enttäuscht werde: Es gibt nichts zu Essen. Da ich mich nicht auskenne, esse ich ein kleines Laugen-baguette mit Lachs für gewaltige 4,50 und verzichte auf ein Getränkt, da allein ein Wasser 3 Euro kosten sollte - kommt ja noch mal eine Kaffeepause, wo man zumindest ein Mal anstehen in dem zeitlichen Rahmen schaffen kann.

Im Laufe des Vormittags wurde die Konferenz auch offiziell durch die Präsidenten eröffnet. Musikalisch wurde das ganze begleitet durch ein paar Almhornbläser. Die Asiaten neben mir fanden das eindeutig erheiternd!














Die Nachmittagssessions waren interessant, und während ich mir Human Movement and Posture Analysis anhöre verpasse ich Birger Kollmeier, der Chair der zwei Räume weiter laufenden Audiologie-Session ist. Schade, es wäre der eine oder andere aus der InterGK-Zeit Sprecher gewesen. In der Kaffeepause zwischendurch ergattere ich einen Tee, der nicht mehr wie am Morgen in einem richtigen Becher sondern nur noch in der Pappvariante ausgeschenkt wird. Auch Wasser gibt es nur noch aus Plastikbechern. Da mein Magen knurrt, erschnorre ich mir am Stand des BMBFs einen Apfel (Danke, Frau Weiß :o) ). Der Abend klingt mit der offiziellen Eröffnungszeremonie aus, bei der traditionelle Blechbläser auf die Sprecher einstimmen. Leider überzieht der letzte Sprecher maßlos. Schluss sollte sein um 20:15. Rechts und Links blickten die Leute auf die Uhr, bleiben aber artig in ihren Sesseln sitzen, denn es wurde Essen für die Eröffnungszeremonie versprochen. Ich bilde mir ein, dass alle genauso Hunger haben, wie ich. Um halb neun halte ich es nicht mehr aus und verlasse den Saal - ich musste austreten. Erstmal draußen habe ich mir dann gedacht, dass es sich ja an sich nicht mehr lohnt wieder rein zu gehen, da ja nun schon fast 20 Minuten überzogen waren. Ich gehe daher in den Eingangsbereich und entdecke, dass die Vorspeisen bereits verteilt sind, das Buffet aber noch wie von Schießhunden bewacht wird. Einige Mutige sind jedoch dabei, die eine oder andere Vorspeise zu vernichten. Ich geselle mich dazu, warte den offiziellen Startschuss ab und verpasse dann doch den guten Moment sich in die Schlagen zum Buffet einzureihen. Daher esse ich zwei der Vorspeisen, die von den meisten gar nicht wahrgenommen wurden, da sie sich direkt auf das Buffet stürzen. Um viertel nach neun mache ich mich endlich auf den Heimweg ins Hotel und erreiche das kurz vor zehn. Der Gang zum Hotel war um diese Uhrzeit noch mal deutlich interessanter, auch wenn mich die freundlichen Damen sicher interessierter angesehen hätten, wäre ich keine Frau gewesen. Müde falle ich ins Bett und bin erstmal geschafft.

Dienstag, 8. September 2009

Anreise WC2009: Kleine Bahngeschichten

Auf der Bahnfahrt war viel Zeit zum Schreiben - Fotos folgen noch!

16:32:
Auch wenn es nicht ins wirkliche Ausland geht, so wollte ich doch von meiner aktuellen Konferenzreise nach München zum World Congress for Medical Physics and Biomedical Engineering 2009 berichten - zumal für ein Nordlicht wie mich München ja auch schon eigentlich kaum mehr zu Deutschland zählt und sich Sitten und Gebräuche hinreichend unterscheiden.

Aktuell beginne ich zu glaube, dass Reisen während meiner Zeit im OFFIS unter keinem guten Stern stehen. Die beiden Flüge nach Brüssel waren bereits chaotisch und auch diese Reise beginnt mit Zicken, wenn auch (noch) mit keinen wirklichen Problemen:
Heute Vormittag habe ich sicherheitshalber im Hotel in München angerufen, nachdem im Internet bei verschiedensten Hotelbewertungen des Hotels, in dem OFFIS für mich ein Zimmer reserviert hat, gestanden hat, dass trotz einer Reservierung kein Zimmer mehr frei war. Ich würde relativ genervt am Telefon begrüßt, habe mich kurz vorgestellt und dann mein Anliegen geschildert, dass ich kurz meine Anreise heute bestätigen wollte und nachfragen, ob so weit alles ok ist. Ohne eine weitere Nachfrage nach meinem Namen oder dem geringsten Zógern wurde mir umgehend in der gleich genervten Tonart zugesichert, dass alles ok ist. Ich bin mir nicht sicher, ob die Person am Telefon so schnell meinen Namen merken und im System nachsehen konnte und bin daher gespannt, ob heute Abend wirklich alles glatt geht mit dem Zimmer.

Mein erster Zug von Oldenburg nach Hannover kam zumindest pünktlich und hat mich ebenfalls pünktlich in Hannover wieder rausgelassen, so dass ich passend meinen Anschluss nach München erreichen konnte. In diesem ersten Zug saßen auf den Plätzen vor mir ein schwarzhaariger Mann und eine Frau mit langen, dunkelblonden Haaren. Nach Bremen stieg eine weitere Frau Anfang der 50iger dazu und sprach die beiden Personen vor mir an - an sich war ich am Lesen und rech gefesselt von meiner Lektüre, doch das Gespräch lenkte mich zunehmend ab. Die zugestiegene Frau hatte eine Reservierung für den Fensterplatz, auf dem der Mann mit den schwarzen Haaren saß. Es stellte sich heraus, dass der zwar kein Deutsch sprach, aber in Englisch mitteilte, dass er eine Reservierung für den Platz am Gang hätte, auf dem die Frau mit den langen Haaren saß. Die Frau mit den langen Haaren meinte, dass sie gedacht hätte, dass der Platz am Gang frei sei, da die Reservierung für den Platz am Gang bereits erloschen war. So weit war das ganze für mich auch nachvollziehbar. Allerdings hätte ich nun gedacht, dass die Frau mit den langen Haaren den Platz räumt und sich die neu dazu gestiegene Frau auf ihren Platz setzt - oder mit dem Mann am Fenster tauscht. DIe Frau mit den langen Haaren war dagegen nicht bereit den Platz frei zu machen, sondern vertrat die Meinung, dass der Mann dadurch, dass er am Fenster Platz genommen hatte, seine eigentliche Reservierung am Gang nicht wahrgenommen hätte, da man das bis 15 Minuten nach Fahrtbeginn gemacht haben muss, sonst würde die Reservierung in dem Moment verfallen, in dem die Anzeige erlischt. Von daher würde sie ja mit Recht auf dem Platz sitzen, denn er hätte die Reservierung nicht wahrgenommen und sie hätte sich auf einen nicht reservierten Platz gesetzt. Das hätte ihr ein Schaffner so erklärt. Die zugestiegene Frau suchte sich zunächst einen anderen Platz schräg hinter mir. In dem Moment, in dem sie sich abgewandt hatte, bemerkte die Frau mit den langen Haaren, sie könne auch aufstehen, während ihre gesamte Haltung und das Beharren auf dem Sitzplatz das Gegenteil behaupteten. Ich widmete mich wieder meinem Buch, wurde aber schnell erneut abgelenkt, als ich auf die Unterhaltung vor mir aufmerksam wurde, in der die Frau mit den langen Haaren dem Mann auf englisch erklärte, warum sie nun auf ihrem Platz blieb und was er genau falsch gemacht hatte. Sie schloss mit dem Satz "That are the german rules"! Ich überlegte einen Moment, ob sie wohl recht hatte damit, dass man seinen Platz wirklich 15 Minuten nach Fahrtbeginn einnehmen musste. Immerhin hatte man doch seine Reservierung bezahlt und das für die gesamte Fahrt. Und wenn man mal ungünstig einsteigt, es voll ist und man sich durch den Zug kämpfen muss, kann es ja gut mal sein, dass es einen Moment dauert, bis man an seinem Platz ist. Da ich es aber nicht sicher wusste, nahm ich mein Buch wieder zur Hand. Kurze Zeit später war der Schaffner ins Abteil getreten. Die Tatsache an sich hatte ich nicht bemerkt, doch die Gesprächsfetzen drangen immer mehr durch die Geschichte meines Buches, als sich die zugestiegene Frau von schräg hinter mir bei der Fahrkartenkontrolle beim Schaffner erkundigte, ob die Reservierung wirklich nach 15 Minuten erlischt. Der Schaffner erkundigte sich, woher sie diese Information hätte und die Frau zeigte ihm ihre Reservierung und wiederholte kurz das Gespräch mit der Frau mit den langen Haaren. Der Schaffern nahm die Reservierung und ging zu den Plätzen vor mir. Er fragte den Mann freundlich, ob er seine Reservierung sehen könne und überprüfte auch die Anzeige über den Sitzplätzen. Er stellte fest, dass der Mann den Platz am Gang und die zugestiegene Frau den Platz am Fenster reserviert hatte. Er fragte die Frau mit den langen Haaren nach ihrer Reservierung. Sie sagte, sie haben sich im guten Recht dort hingesetzt, weil die Reservierung erloschen war und wiederholte, dass der Mann sein Recht an der Reservierung verwirkt habe, obwohl er nur einen Platz daneben gesessen hatte. Der Schaffner sprach aus, was ich eben noch selber gedacht hatte, dass der Mann aber doch die gesamte Fahrt den Platz reserviert hatte und dass die Reservierung erlischt, falls die Person nicht erscheint, damit der Platz dann frei ist. Sollte die Person jedoch kommen, so hat sie natürlich den Platz reserviert. Die Frau mit den langen Haaren betonte ausdrücklich, dass sie diese Information von einem Schaffner hätte. Darauf rollte der Schaffner mit den Augen und meinte, dass er auch ein Schaffner sei. Die Frau rührte sich nicht, der Mann am Fenster verstand nichts und die Leute im Abteil begannen sich zu amüsieren. Schluss vom Lied war, dass sich die Frau mit den langen Haaren keinen Zentimeter rührte, und da der Schaffner sie schlecht an den Haaren vom Platz ziehen konnte, wandte er sich wieder an die zugestiegene Frau und verkündete, sie dürfe sich gerne einen Platz in der 1. Klasse aussuchen und es täte ihm leid. Nachdem der Schaffner fast schon aus dem Abteil gegangen war, wiederholte die Frau vor mir mit den langen Haaren noch mal, sie hätte ja auch aufstehen können. Da stellt man sich die Frage, warum sie es nicht auch gemacht hat. Hätte ich sie mal fragen sollen ...
Nachdem ich in Hannover den Zug gewechselt hatte und wir an sich planmäßig in Hannover losgefahren sind, erreichten wir Göttingen bereits mit 8 Minuten Verspätung und standen anschließend vor Kassel in einem Tunnel. Ich hatte eben mein Buch "Veronika beschließt zu sterben" abgeschlossen und war dabei ein bisschen über den Inhalt des Buches nachzudenken. Tunnel waren mir schon immer suspekt. Langsam zog der Geruch von heißen Bremsen durch den Zug und wurde zunehmend intensiver. Die Lautsprecher knackten und der Schaffner meldete sich, dass wir unplanmäßig im Tunnel halten müssen, er aber noch nicht wisse, warum und er uns Bescheid geben würde, sobald er etwas wisse. Hm, das macht einem schon ein mulmiges Gefühl, wenn man Tunnel eh nicht mag, es nach Bremsen riecht und sich irgendwie spontan die verschiedensten Tunnelunglücke in das aktive Gedächtnis drängen. Es vergingen einige Minuten und ich schaute aus dem Fenster in die Schwärze. Es vergingen weitere Minuten. Der Zug ruckte. Der Schaffner meldete sich wieder, und berichtete, dass in ein entgegenkommender Zug ein Gleis belegte, wo er nicht hätte stehen sollen und damit einen technischen Defekt ausgelöst hatte, so dass das Signal zum Weiterfahren im Tunnel nicht gegeben werden konnte. Unser ICE würde aber nun auf ein Ausweichgleich umgelenkt und es würde weiter gehen. Der Zug fuhr an und erreichte Kassel mit einer Viertelstunde Verspätung. Ich beschloss, mein Reisetagbuch zu beginnen und griff nach meinem Notebook. Ich bin gespannt, wann ich ankommen werde.

20:05
Ich bin im Hotel angekommen. Nachdem ich an Bettlern, Obdachlosen und andern eigenartigen Gestalten, verschiedensten türkischen, thailändischen, arabischen, chinesischen und sonstigen Imbissen, Beate Uhse, diversen Erotik-Shows und live Ich-weiß-nicht-was vorbei gegangen bin, erreichte ich das Hotel, bzw. lief beinahe daran vorbei. Im Internet war ein Foto vom Torbogen des Hotels, welches ich noch im Kopf hatte. Es zeigte ein hell erleuchtetes Neon-Schild mit den Namen des Hotels "Deutsches Theater". Das Hotel liegt direkt im Theater und hat damit einen ganz eigenen Stil. Leider war es nun nicht beleuchtet und von Bauzäunen umgeben, so dass es auf den ersten Blick nicht zu erkennen war. Der Hof, der ebenfalls im Internet auf einem Foto war, beherbergte nun diverse Baufahrzeuge und verschiedene Haufen mit Baumaterialien. Der Mann an der Rezeption war jedoch sehr nett, gab mir zwei Schlüssel (einen für mein Zimmer im 5 Stock und einen für die Tür, damit ich auch nach 12 noch durch den Hintereingang rein komme) und wies mir den Weg zum Aufzug, der mich immerhin bis in den 4 Stock brachte, von dem ich in den 5. Stock die Treppe nahm. Das Zimmer ist klein, aber sauber und damit ok. Das Fenster zum Hof lies sich öffnen, aber nicht kippen und das Waschbecken hatte auch schon bessere Tage erlebt. Leider waren die Geschäfte, um ein Abendessen zu jagen, nun knapp geschlossen, so dass ich mich aufmachte, und meinen Anreisetag mit einem Menü bei dem Restaurante zur goldenen Möwe beschloss.